Interview mit Jim Lindberg von The Black Pacific
Telefoninterview vom 16.08.2010 . Interviewer: Oliver Marx . Label: Sideonedummy.de
The Black Pacific - When it's over
P76: Hallo Jim. Bitte erzähle uns, was der Name The Black Pacific aussagen soll?
Jim: Ich wuchs hier in Los Angelos nahe des Pazifischen Ozeans auf. Also wollte ich mich irgendwie auf dieses Meer beziehen aber gleichzeitig auch eine dunkle Komponente einbauen.
P76: Weshalb hast du Pennywise verlassen?
Jim: Um ehrlich zu sein würde es mich über eine Stunde kosten das zu erklären. Ich hatte einfach das Gefühl, dass jetzt die Zeit gekommen
sei auszusteigen. Wir hatten so viele Konflikte, die wir nicht mehr ausdiskutieren konnten. Wir stritten uns im Studio über den Aufnahmeprozess und wir stritten
über das Touring. Das war zuletzt wirklich nicht mehr angenehm. Außerdem veränderte sich etwas als unser alter Bassspieler Jason Matthew Thirsk
starb. Er war mein bester Freund in der Band und irgendwie verlor ich etwas und fühlte mich somit zuletzt auch nicht mehr in der Band wohl. Also wurde
es Zeit zu gehen, obwohl die anderen Bandmitglieder nicht sehr glücklich mit dieser Entscheidung waren. Nachdem ich die Band verließ, herrschte
eine sehr angespannte Stimmung. Aber ich hoffe, dass sich mit der Zeit die Wogen glätten und wir wieder ganz normal miteinander sprechen können.
P76: Jim, in meiner Punkrockkollektion befindet sich natürlich das erste Pennywise Album, welches für mich auch das beste Album darstellt. Aber ich muss kritisch ergänzen, dass alle Alben die danach erschienen relativ gleich klangen. Jetzt hast du mit The Black Pacific ein Album veröffentlicht,
was immer noch sehr nach Pennywise klingt. Deshalb meine Frage: Möchtest du auch langfristig mit The Black Pacific deinen Musikstil ändern oder wirst du deinen bisherigen Musikstil, der aus schnellen melodischen Skatepunk besteht, weiterhin fortführen?
Jim: Nun, The Black Pacific bildet für mich ein Zwischending. Es trägt natürlich Pennywise Elemente in sich und sicherlich ist es der Musikstil den ich bevorzuge. Ich versuche aber auch neue Elemente mit in The Black Pacific
einfließen zu lassen. Ich wuchs mit schneller aggressiver Musik auf, wie etwa Circle Jerks, 7-Seconds, Adolecents und Minor Threat. Als Songschreiber habe ich dann immer versucht meine Erfahrungen in eine solche Art von Musik
einzubetten. Oftmals versuchte ich das Songschreiben mit einer positiven oder politischen Aussage zu verbinden. Nur weil ich nicht mehr mit meiner alten Band klar komme, heißt das nicht, dass ich nicht dieselbe Musik wieder spielen
kann. Es ist eine schöne Sache, dass ich einige Freunde anrufen konnte und eine neue Band ins Leben rufen konnte, mir der ich umsetzen kann, was ich mir vorstelle. Ich habe natürlich einen wahnsinnigen Respekt vor dem was
wir gemeinsam als Pennywise erreichten aber manchmal findet man halt heraus, dass unterschiedliche Leute verschiedene Prioritäten haben. Ich bin inzwischen Vater dreier Töchter und bei mir haben sich ebenfalls Prioritäten verschoben.
P76: Jim, du hast soeben erwähnt, dass du Vater von drei Töchtern bist. Wie vereinbarst du Musik, touren und Familie?
Jim: Jetzt bin ich in der glücklichen Position Entscheidungen in Bezug auf die Band selbst tragen zu können. Ich lege die Touren so, wie ich sie
mit der Familie vereinbaren kann – und will. Ich muss mich jetzt nicht mehr ständigen Kompromissen hingeben, mit Leuten die ganz anders touren
wollten als ich. Ich kann nun ganz frei entscheiden, ob ich gerne in Amerika, Europa, Asien auftrete oder eine schöne Tour durch Australien machen möchte.
Ich entscheide und muss nicht mehr in jeder Stadt auftreten, sobald wir eine Platte veröffentlichen. Es ist eine komfortable Situation eine Menge Zeit
mit der eigenen Familie verbringen zu können.
P76: Ich möchte mit dir noch einmal über Pennywise sprechen – die Band, die einen großen Teil deines Lebens ausmachte. Das Album „The
Fuse“ erschien über Epitaph und Volcom Records. Reason To Believe erschien dann sogar auf Myspace Records. Wie kam das zu Stande?
Jim: Wir sind sehr eng mit den Volcom Leuten befreundet uns so boten sie Unterstützung bei der Veröffentlichung des Albums an. Wir sind alle Surfer und kommen
aus der Surf-Szene und so war es ein natürlicher Schritt, dass Volcom uns unterstützte, obwohl wir nie bei Volcom Entertainment unterschrieben, sondern
alles in Kooperation zwischen Epitaph und Volcom einherging. Bei Myspace war alles anders. Obwohl wir jahrelang auf Epitaph zu Hause waren und uns dort sehr
wohl fühlten, wollten wir mal etwas Anderes ausprobieren. Während der Tour erschien dann jemand von Myspace Records und bot uns an, das Album
heraus zu bringen und es kostenlos zum Download anzubieten. Zu jener Zeit veröffentlichten Radiohead und Andere ihre Alben umsonst im Internet. Also haben wir es ausprobiert
und das Resultat war OK. Mit der neuen Band bin ich jetzt einen Plattenvertrag mit Sideonedummy Records eingegangen. Ich fühle mich mit dem neuen Label
sehr wohl, weil dort tolle Leute arbeiten und weil das Label sehr gute Bands aufweist.
P76: Ich finde das SOD sehr untypische Bands und Musikrichtungen fördert. Das Label steht nicht für eine spezielle Musikrichtung und die Bands klingen
sehr unterschiedlich.
Jim: Ja, da kann ich nur zustimmen und das war auch der maßgebliche Grund, weshalb ich meine Musik auf diesem Label veröffentlichen wollte. Ich habe
die Demoaufnahmen nur an Sideonedummy geschickt und an kein anderes Label. Das Label setzt sich zunächst für den Künstler ein, bevor sie an
das Geld denken. Ich weiß, dass manche Band auf Sideonedummy nicht sehr viel Geld einbringt aber das Label mag und unterstützt sie deshalb auch
weiterhin. Sie besitzen dort einfach die Passion für Musik und es ist super auf demselben Label zu veröffentlichen, wo auch 7-Seconds, Anti-Flag und
The Casualties ihre Musik veröffentlichen.
P76: Wie kam es eigentlich, dass der Ignite Sänger Zoli Téglás deine Funktion bei Pennywise übernahm?
Jim: Wir kannten Zoli schon sehr lange, weil wir sehr häufig mit Ignite getourt haben. Manchmal kam es vor, dass ich mich von einer Tour verabschieden
musste, weil es zu Hause irgendwelche Probleme gab, bei denen man als Vater und verheirateter Mann einfach zu Hause sein sollte. Da Zoli mich oftmals während
einer Tour vertrat, schlug ich ihn dann als neuen Sänger vor. Es ist auch ein gutes Gefühl die Band verlassen zu können mit dem Wissen, dass
da jemand ist, der hineinpasst und die Pflichten der Band kennt.
P76: Ich las im Internet, dass deine neuen Bandmitglieder sehr jung seien – gerade ein Mal 21 Jahre.
Jim: Nein, der Bassist ist sogar älter als ich! Aber unser Drummer ist jünger. Er ist 26 Jahre alt und ich traf ihn auf der Warped Tour. Er spielte
zuvor in einer Band mit den Namen „Good Guys In Black“. Er ist ein guter Drummer und so begannen wir sofort und ernsthaft mit dem neuen Projekt
– The Black Pacific – zu beschäftigen. Wenn Leute die Band sehen, stellen sie sich sicherlich die Frage, wie alt der Drummer ist.
P76: Jim, meine letzte Frage an dich: Du hast vor kurzem ein Buch veröffentlicht mit dem Namen „Punk Rock Dad“. Bitte erkläre uns einmal was da so drin steht.
Jim: Es schildert meine Erfahrungen als Sänger, der zugleich Mann und Vater ist. Dabei reflektiere ich meine Texte, wenn ich Autoritäten wie die Polizei
in Frage stelle aber zu Hause darauf achten muss, dass Autoritäten wie die Polizei anerkannt werden müssen.
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